Neugestaltung und Rekonstruktion

Umbau

Zu Beginn der fünfziger Jahre kam die Frage nach einer Erneuerung der Orgel auf. In den Jahren 1950 - 1953 wurden Umbaupläne diskutiert, die den Austausch einzelner Stimmen, aber keine grundlegenderen Änderungen vorsahen. Diese Pläne blieben jedoch unausgeführt. Erst im Jahr 1959 gab der Kirchenvorstand, veranlasst durch den renovierungsbedürftigen Zustand des Instrumentes und wohl auch wegen der bevorstehenden Kirchenrenovierung, Gutachten über die Orgel in Auftrag. Wieder war es Gustav Schoedel, der die Gemeinde nun in dieser Angelegenheit beraten sollte. Nach einer Untersuchung der Orgel kam er zu dem Schluss, dass eine grundlegende Erneuerung unumgänglich war. Dabei zog er zwar einen Umbau der Orgel in Erwägung, riet aber dringend zu einem Orgelneubau, da seiner Erfahrung nach ein Umbau nie das gewünschte klangliche und technische Ergebnis wie ein Neubau liefern würde. Doch weil man die als materialmäßig gut eingeschätzte Substanz der bestehenden Orgel nicht einfach preisgeben wollte, und nicht zuletzt aus finanziellen Gründen entschied sich der Kirchenvorstand schließlich doch für einen erweiternden Umbau der Orgel nach einer Disposition Schoedels.

Die Umbauarbeiten führte in den Jahren 1961/62 die Orgelbaufirma Otto Hoffmann aus Ostheim v. d. Rhön aus. Dabei konnte zunächst der alte Wunsch nach einer weniger platzraubenden Orgelanlage durch Veränderung des inneren Aufbaus der Orgel erfüllt werden.

 

 

Das prächtige Gehäuse entfiel dabei komplett. An seine Stelle trat ein sachlicher Prospekt mit drei Pfeifenfeldern in Kastengehäusen nach einem Entwurf des Architekten Albert Köhler vom landeskirchlichen Baureferat in München. Ein anfangs vorgesehenes Rückpositiv wurde von Köhler abgelehnt, weswegen dieses neue Teilwerk als Positiv in das Hauptgehäuse integriert werden musste. Die Elektrifizierung der Traktur zog die Installation eines neuen fahrbaren Spieltisches nach sich. Die Registeranzahl der Orgel wurde auf 35 erweitert, wofür über das erwähnte neue Positiv hinaus noch weitere Register in Schwellwerk und Pedal auf Zusatzladen eingebaut wurden. Eine neue Windanlage, bestehend aus Schleudergebläse und vier Einfaltenbälgen, traten an die Stelle der bisherigen Windversorgung. Der Klang der Orgel wurde durch die Einfügung neuer Register, Umarbeitung und Ersetzung bestehender Register, sowie Herabsetzung des Winddrucks bei gleichzeitiger Erhöhung der Stimmtonhöhe von 435 Hz auf 440 Hz für a' völlig verändert.

Das Ergebnis des Umbaus wurde schon von Schoedel als ambivalent bezeichnet: Einerseits seien die neuen Stimmen durchweg als gelungen zu bezeichnen, andererseits konnte seine Befürchtung, dass die übernommenen Stimmen sich nicht ausreichend in das neue Klangbild fügen, nicht restlos zerstreut werden.

Disposition

 

I. Manual - Positiv

  • 1. Koppelgedackt 8'
  • 2. Blockflöte 4'
  • 3. Waldflöte 2'
  • 4. Superquinte 1 1/3'
  • 5. Scharf 4fach 1'
  • 6. Krummhorn 8'
  • Tremolo

 

 

II. Manual - Hauptwerk

  • 7. Pommer 16'
  • 8. Prinzipal 8'
  • 9. Gedackt 8'
  • 10. Dulzflöte 8'
  • 11. Oktav 4'
  • 12. Rohrflöte 4'
  • 13. Superoktav 2'
  • 14. Mixtur 5fach 1 1/3'
  • 15. Trompete 8'

 

 

III. Manual - Schwellwerk

  • 16. Geig. Prinzipal 8'
  • 17. Sing. Gedackt 8'
  • 18. Salicional 8'
  • 19. Prästant 4'
  • 20. Querflöte 4'
  • 21. Nasard 2 2/3'
  • 22. Ital. Prinzipal 2'
  • 23. Terzflöte 1 3/5'
  • 24. Nachthorn 1'
  • 25. Cymbel 4fach 1/2'
  • 26. Rohrschalmey 8'
  • Tremolo

 

 

Pedal

  • 27. Prinzipalbaß 16'
  • 28. Subbaß 16'
  • Pommer 16' (Transmission II)
  • 29. Oktavbaß 8'
  • 30. Flötbaß 8'
  • 31. Choralbaß 4'
  • 32. Rohrpfeife 2'
  • 33. Rauschb. 4f. 2 2/3'
  • 34. Posaune 16'
  • Trompete 8' (Transmission II)
  • 35. Clarine 4'

 

 

Nebenzüge

  • Normalkoppeln
  • 2 freie Komb.
  • 2 freie Pedalkomb.
  • Handregister ab
  • Zungen ab
  • Schweller
  • Walze
  • Crescendo ab
  • Tutti

Rückbau

Nach einer weiteren Renovierung des Kirchenraums wurde die Orgel durch die Firma Hoffmann im Jahr 1981 ausgereinigt und überholt. Da die Orgel jedoch weiterhin störanfällig blieb und sich die technischen Mängel neben den ohnehin bestehenden klanglichen Defiziten in den neunziger Jahren häuften, wurde ein Orgelneubau in Betracht gezogen und zu diesem Zweck im Jahr 1995 ein Orgelbauverein gegründet. Die damit einsetzenden Beratungen zwischen Kirchenvorstand, Kirchenmusikern und Orgelsachverständigen führten dazu, dass man sich des Wertes der historischen Substanz, die noch von der einstigen Walcker-Orgel vorhanden war, bewusst wurde. Daher ließ man den ursprünglich ins Auge gefassten Plan eines Orgelneubaus schließlich fallen und entschied sich für eine Rückführung der Orgel auf den Zustand von 1896.

Nach einer Phase der Finanzierung konnte die Restaurierung und Rekonstruktion der Orgel im Jahr 2002 durch die auf diesem Gebiet bewanderte Orgelwerkstatt Christian Scheffler aus Sieversdorf bei Frankfurt/O. durchgeführt werden.

 

Dabei wurden ergänzend zum ursprünglichen Konzept zwei Oktavkoppeln und ein Vorabzug installiert, sowie die im Jahr 1932 eingerichtete Pedaltransmission von Bourdon 16' wiederhergestellt. Dank großzügiger Bezuschussung vonseiten der Oberfrankenstiftung konnte das Gehäuse in Anlehnung an das Original neu erstellt werden. Für den neuen Spieltisch und die Windanlage standen Originalteile der aufgegebenen Walcker-Orgel aus Bad Schwalbach (Baujahr 1903) zur Verfügung. Am historischen Pfeifenwerk wurden sämtliche Veränderungen rückgängig gemacht, sowie verlorengegangene Register nach original erhaltenen Registern aus der Walcker-Orgel in Sternberg/Mecklenburg (Baujahr 1894) kopiert. Eine Ausnahme hiervon bildet lediglich das Register Clarinette 8', das im Gegensatz zum Original nach dem Vorbild der Walcker-Orgel in Ilmenau/Thüringen (Baujahr 1911) in aufschlagender Bauweise ausgeführt wurde.

Die Forchheimer St.-Johannis-Gemeinde erfreut sich seither eines einzigartigen Klangdenkmales aus der Erbauungszeit ihrer Kirche.