Nebenräume, Paramente und Vasa sacra

Nebenräume

Der westliche Nebenraum der Kirche wurde ursprünglich als Sakristei genutzt und war darum mit entsprechenden Ausstattungsstücken und einer Heizgelegenheit versehen. Im Jahr 1938 richtete man den Raum zudem für den Gebrauch als Bet- und Konfirmandensaal ein und schaffte dafür neues Mobiliar an. Damals wurde unter anderem eine Wandvertäfelung angebracht, bei der Kirchenrenovierung 1961 jedoch wieder entfernt. Seit dem Jahr 2002 dient der Raum als Abstellkammer.

Der einzige noch aus der ersten Zeit vorhandene Einrichtungsgegenstand ist ein im Jahr 1901 gefertigter eichener Betstuhl aus der Werkstätte von Leonhard Vogt. Seine Wangen, die in einem lilienförmigen Knauf enden, ziert eine Reliefschnitzerei (Weinranken) in einem Spitzbogenfeld. Auf seiner Stirnseite trägt der Betstuhl, ebenfalls in Reliefschnitzerei, ein Schriftband mit den Worten "Wachet und betet" (Mt. 26,41). Von der Einrichtung als Konfirmandensaal ist bis auf sechs kleine Schultische, die sich heute im Kirchenraum und im östl. Nebenraum befinden, nichts mehr erhalten. Der hölzerne Altar in einfachen Formen wurde um das Jahr 1955 errichtet. Auf ihm befinden sich das Altarkruzifix und Kerzenleuchter aus der Gereonskapelle. Desweiteren ziert ein 2,40 m hohes Ölgemälde eine Wand des Raumes. Es handelt sich um eine Kopie des Bildes "Der gekreuzigte Christus" von Peter Paul Rubens, die von Georg Bickel (1862-1924), dem "Malerpfarrer von Mönchsroth", im Jahr 1920 geschaffen wurde. Zu welchem Zeitpunkt und unter welchen Umständen dieses Bild in die Kirche kam, konnte bislang nicht geklärt werden. Es darf vermutet werden, dass vielleicht eine Verbindung zum Bruder des Künstlers Johann Bickel (1864-1931) bestand, der in der fraglichen Zeit Dekan von Muggendorf war.

 

Der östliche Nebenraum war in erster Linie für die Aufbewahrung der Paramente und Vasa sacra wie auch anderer Gegenstände bestimmt. Zudem diente er bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts auch als Versammlungsraum, so seit 1904 für die Landeskirchliche Gemeinschaft. Zu diesem Zweck waren dort Bänke aus der Gereonskapelle aufgestellt. Seit vielen Jahrzehnten steht der Raum ausschließlich den Mesnern zur Verfügung.

Für Paramente und Vasa sacra wurde im Jahr 1909 ein entsprechender Schrank vom damaligen Mesner, Schreinermeister Ludwig Meisel (1865-1930), nach einem Entwurf des Nürnberger Architekten Ernst Rettelbusch (gest. 1915) gefertigt. Er befindet sich nach zeitweiliger Versetzung auf die Orgelempore, Einlagerung und Aufstellung im Kirchenraum heute wieder an seinem ursprünglichen Ort. Ein Jahr später stellte Meisel ebenfalls nach einem Plan von Rettelbusch einen weiteren Schrank her, der für die Chor- und Orgelnoten auf der Empore bestimmt war. Auch dieser Schrank ist erhalten und steht heute ebenfalls im östlichen Nebenraum. Die Außenseiten beider Schränke werden von Gesimsen, Profilleisten und in die Oberfläche eingelassenen Feldern mit Maßwerkreliefs gegliedert.

Zu einem Exkurs über den Verbleib der Ausstattungsstücke aus der Gereonskapelle gelangen Sie hier.

Die Sakristei war ehedem der Ort für das Gedenken an bestimmte Wohltäter der Kirchengemeinde, deren Porträts die Wände des Raumes zierten. Hier ist zunächst Caroline Ammon (1813-1876) zu nennen, die Witwe eines Forchheimer Rentbeamten. Ihre bildete Erbschaft den Grundstock für die Einrichung einer eigenen Pfarrei. Desweiteren der ehemalige Forchheimer Vikar Theodor Zellfelder (1840-1896; Amtszeit 1869-1873), der den Kirchenbau schon durch eine Stiftung zu seinen Lebzeiten, wie auch ein Legat unterstützte.

Schließlich August Küffner, unter dessen Ägide Pfarrhaus, Kirche und Evangelisches Vereinshaus erbaut wurden. Das Bildnis des letzteren hängt nach Einlagerung seit dem Jubiläumsjahr 1996 in der Kirche, während Zellfelders Konterfei um das Jahr 2000 abhanden kam. Jedoch ist eine Photographie von ihm im Pfarrarchiv erhalten. Ähnlich verhält es sich mit dem Bildnis Caroline Ammons, von der zwar nicht das Porträt, aber eine Photographie, wenn auch beschädigt, vorhanden ist.

Paramente

Die ersten Paramente wurden der Kirche zu Weihnachten 1896 von Anna Margaretha Hornschuch, Mathilde Hornschuch und Lina Faber gestiftet. Es handelt sich um eine reich verzierte rote Garnitur, bestehend aus Antependium, Altarpultdeckchen, Kanzelantependium und Taufsteindecke, die in der Paramentenstickerei Neuendettelsau hergestellt wurde. Sie existiert heute noch vollständig. Eine weitere Garnitur in Grün, ein Jahr später auf Kosten von Mathilde Hornschuch angeschafft, ist dagegen nicht mehr vorhanden. Erhalten hat sich jedoch ein violettes Kanzelantependium aus dem selben Jahr, das Kunigunda Müller nach Entwürfen aus Neuendettelsau selbst herstellte und der Kirche schenkte. Desweiteren findet sich unter den Paramenten eine im Jahr 1906 gestiftete schwarze Garnitur, welche ebenfalls aus der Neuendettelsauer Paramentenstickerei stammt.

Die Altarantependien beider Garnituren haben jeweils ein Kreuz mit floralen Verzierungen als Motiv. In der Mitte dieses Kreuzes befinden sich die Christus-Symbole AΩ (beide Antependien) und ☧ (schwarzes Antependium). Ein bei beiden Antependien kreisförmig umlaufendes Schriftband trägt die Worte „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.“ (Joh. 14,27; rotes Antependium) bzw. „Lasset uns ihn lieben, Er hat uns erst geliebet“ (1Joh. 4,19; schwarzes Antependium).

 

Eine zur roten Garnitur gehörige Taufsteindecke zeigt in der Mitte eine weiße Taube innerhalb eines Vierpasses, aus dessen Zwickeln Pflanzenmotive herauszuwachsen scheinen. Zwischen diesen Pflanzenmotiven sind die Worte aus dem sogenannten Kinderevangelium (Mk. 10,13-16) eingestickt: „Lasset die Kindlein zu mir kommen“.

In den fünfziger Jahren ergänzte man die violette Garnitur (1952) und schaffte eine neue grüne und erstmals auch eine weiße Garnitur (1953) an. Die alten Garnituren in Rot und Schwarz und auch die weiße wurden wenig später zu Beginn der sechziger Jahre durch neue ersetzt, die violette erhielt zwei neue Kanzelantependien (1964). Ebenso wie ihre Vorgänger kamen sie aus den Neuendettelsauer Werkstätten. Ein Großteil dieser Stücke sind Stiftungen von Konfirmandenjahrgängen. Der bislang letzte Neuzugang an Paramenten war eine grüne Garnitur im Jahr 1991.

 

Vasa sacra

Die Vasa sacra wurden zur Einweihung der Kirche von den Nachbargemeinden des Dekanates Bamberg gestiftet, bestehend aus Abendmahlskanne, Kelch, Ziborium, Patene, Taufkanne sowie der oben erwähnten Taufschale. Alle diese Stücke bezog man von der Firma Wellhöfer in Nürnberg. Sie sind bis heute vorhanden und stehen auch zum größten Teil noch in Gebrauch.

Unter den kunstgewerblicher Massenware zugehörigen Stücken ragt die Abendmahlskanne aufgrund ihrer ungewöhnlichen Gestaltung heraus. Das bauchige Gefäß aus versilbertem Messing trägt auf dem Deckel Christus in Halbfigur, der in der einen Hand einen Kelch hält, die andere zum Segen erhoben hat. Hals und Fuß der Kanne sind reliefartig mit floralen Motiven verziert. An der breiten Schnaube befindet sich zudem ein Engelsrelief mit Spruchband: "Sein Blut ist der rechte Trank" (vgl. Joh 6,55).

 

Die Stifterinschrift am Fußrand der Kanne lautet: „Der Gemeinde Forchheim von den Schwestergemeinden des Capitels Bamberg zur Kircheneinweihung 1896 gewidmet“.

In späterer Zeit, vermehrt ab den achtziger Jahren, schaffte man weitere Abendmahlsgeräte an, die jedoch allesamt von schlichter Gestaltung sind.

Ein hölzernes Vortragskreuz, das August Küffner zur Einweihung spendete, kam ebenfalls von Wellhöfer in Nürnberg. Das dezent mit Reliefschnitzerei verzierte Kreuz befand sich noch um das Jahr 2005 auf dem Städt. Friedhof (Alter Friedhof), muss jedoch bald darauf verlorengegangen sein, weil es seit dieser Zeit unauffindbar ist.