Fenster im Kirchenschiff

Fensterverglasung

Carl Wörlein, der 1896 die Glasmalereien für die beiden mittleren Chorfenster schuf, besorgte im gleichen Jahr auch die Verglasung der übrigen Kirchenfenster. Alle Fenster im Kirchenschiff waren in einem Rautenmuster in Gelb und Weiß verglast, wobei der obere Bereich eines jeden Fensters Glasmalereien mit verschiedenen floralen Darstellungen enthielt. - Glücklicherweise hat sich eine vergleichbare, vermutlich sogar identische, Verglasung in der ebenfalls von Gustav Haeberle erbauten Herz-Jesu-Kirche zu Schwürbitz erhalten, welche im Jahr 1899 von der Bamberger Glasfirma Schmitt & Postek ausgeführt wurde, deren Teilhaber Carl Wörlein 1895/96 war. - Die Fenster in den Vorhallen, den Treppentürmen, dem Turmraum hinter der Orgel sowie in beiden Nebenräumen erhielten von Wörlein Kunstverglasungen aus farbigem Kathedralglas in verschiedenen geometrischen Formen.

 

Nach Beschädigung vieler Kirchenfenster, vor allem auf der Ostseite, durch Kriegseinwirkung im 1945 und durch Hagelschlag 1947 wurden diese in den Folgejahren repariert bzw. neu verglast. Anlässlich der Kirchenrenovierung 1961 erhielten alle Fenster im Kirchenraum eine Neuverglasung mit farblosem Rillenglas in geometrischen Mustern nach Entwurf von Kunstmaler Walter Senf (1909-1985). Die Arbeiten führte eine einheimische Glaserei aus. Wie ein Fachgutachten aus dem Jahr 1997 gezeigt hat, sind diese Verglasungen in handwerklichem Sinn von minderer Qualität. Ausgenommen von der Ersetzung 1961 waren die Fenster von Nebenräumen, Vorhallen und Türmen. Darum sind hier teils die ursprünglichen Verglasungen, teils die Nachkriegsverglasungen erhalten geblieben. - Alle diese Fenster sind in keinem guten Zustand und weisen zudem zahlreiche unsachgemäße Ergänzungen und Fehlstellen auf.

 

In einem der Zwillingsfenster im westlichen Querhaus finden sich zwei kleine Kabinettscheiben mit monochromer Malerei in einem Braunton. Diese waren ursprünglich Teil eines Fensters, das Carl Wörlein aus Bamberg auf Geheiß der Kirchenverwaltung im Februar 1896 als Musterfenster für die künftige Kirchenverglasung anfertigte. Jede dieser Kabinettscheiben zeigt ein Motiv, das Psalmworten entnommen ist, links eine aus einem Felsen sprudelnde Quelle unter einer strahlenden Sonne mit dem ringsum laufenden Vers aus Psalm 36,10 "Bei dir, Herr, ist die Quelle des Lebens und in deinem Lichte sehen wir das Licht", rechts ein Hirsch an einem Wasserlauf mit dem Vers aus Psalm 42,2 "Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir". Beide Scheiben wurden im Jahr 1961 in die damals neu gefertigten Fenster an gleicher Stelle wieder eingesetzt. - Die Kabinettscheibe mit Sonne und Quelle weist am rechten Rand eine größere Fehlstelle auf.

Fensterrosetten

Für die beiden großen Rosettenfenster in den Querhäusern waren ursprünglich Glasmalereien vorgesehen, die an das Bildprogramm der Chorfenster anschließen sollten. Man plante, in der östlichen Rosette die Entstehung der Kirche durch das Pfingstereignis im Mittelteil und Szenen aus der Apostelgeschichte in den umgebenden Rundfenstern darzustellen, in der westlichen dagegen die Entstehung der lutherischen Kirche durch das Motiv "Luther auf dem Reichstag zu Worms" im Zentrum und rundherum Szenen von Ereignissen aus Luthers Leben. Wie schon bei den Chorfenstern rechnete die Kirchenverwaltung auch hier mit Stiftungen. Doch solche stellten sich nur im Falle der westlichen Rosette ein. Im Jahr 1907 gab der Nürnberger Kaufmann Leonhard Poppmeyer, ein gebürtiger Forchheimer, eine bestimmte Summe, um davon ein Fenster zum Andenken an seine verstorbenen Eltern herstellen zu lassen. Diese Stiftung reichte jedoch nur für die Anfertigung eines Rosetten-Mittelstücks aus. Poppmeyer entschied sich für die Darstellung des Wormser Reichstags. Den Entwurf zu diesem Fenster fertigte die Firma Gebr. Schmidt (vormals Schmitt & Postek) in Bamberg bzw. deren Glasmaler Bruno Bachmann (1866-1924) in Zusammenarbeit mit dem Bamberger Studienrat und Heraldiker Gotthold Sabel (1852-1909). Im Sommer 1907 wurde das Fenster eingebaut.

Es war damals angedacht, so schnell als möglich die vorgesehenen Glasmalerei in den kleineren Rundfenstern der westlichen Rosette anfertigen zu lassen, da das Mittelstück sonst aufgrund des zu starken seitlichen Lichteinfalls nicht richtig wirken konnte.

 

Doch sollten schließlich über zehn Jahre vergehen, ehe an eine Verwirklichung gedacht werden konnte. Ein Legat von Poppmeyers Schwester Marie Schwengler ermöglichte die Anschaffung. Zur Ausführung kamen jedoch nicht die ursprünglich geplanten Szenen aus Luthers Leben, da deren Anfertigung die Höhe der Stiftung bei Weitem überstiegen hätten, sondern ornamentale Motive nach einem Entwurf des Nürnberger Architekturbüros Brendel & Krayl. Die Malereien wurden im Jahr 1920 von den Nachfolgern von Gebr. Schmitt in Bamberg, Firma Müller, geschaffen. Die östliche Fensterrosette blieb aufgrund fehlender Stiftungen ohne Glasmalerei, was noch Mitte der dreißiger Jahre als Desiderat erwähnt wird.

Bei der Kirchenrenovierung im Jahr 1961 wurde die Verglasung in den kleineren Rundfenstern der westlichen Rosette entfernt und durch eine farblose Ornamentverglasung ersetzt. Dadurch wurden jedoch genau die für die Glasmalerei im Mittelstück ungünstigen Lichtverhältnisse wiederhergestellt, die man im Jahr 1920 endlich beseitigt zu haben glaubte. Von den Glasmalereien der zehn Rundfenster beließ man nur die Stifterinschrift "Gestiftet | Marie Schwengler" in einem der Fensterzwickel unten links. Seither wurde die Darstellung des Wormser Reichstages fälschlicherweise immer wieder mit dem Legat von Marie Schwengler in Verbindung gebracht und die Stiftung ihres Bruders Leonhard Poppmeyer geriet darüber völlig in Vergessenheit.

Die Darstellung des Wormser Reichstages erinnert von ihrer Anlage her an ein im Jahr 1869 geschaffenes Gemälde von Julius Schnorr von Carolsfeld (1794-1872), das vermutlich als Vorbild diente. Auffällig ist die Figurenfülle der Glasmalerei, handelt es sich doch um nicht weniger als 30 dargestellte Personen in charakteristischer Gewandung, Haltung und Mimik. Zentrale Gestalten sind Luther als Mönch mit Tonsur und Ordenshabit etwas rechts vom Bildmittelpunkt und Kaiser Karl V. links auf einem Thron mit Baldachin. Der Gestus Luthers mit an die Brust gelegter Hand und zum Himmel erhobenem Blick verweist auf das ihm in diesem Zusammenhang oft zugeschriebene Wort "Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen."

Im oberen Hintergrund auf einer mit Reichsbanner und Wappen geschmückten Empore ist eine Gruppe von Reichsständen platziert. Links von Luther stehen (von links nach rechts) der Reichsvizekanzler, Dr. Johannes Eck, Fürst Ernst I. von Braunschweig und ein höherer Kleriker. Sitzend darunter der Schreiber (auf dieser Darstellung mit Hieronymus Schurff, Luthers Rechtsbeistand, identifiziert) und ein nicht näher bezeichneter Erzbischof.

Auf der rechten Seite befinden sich: oben zunächst eine Gruppe von drei Angehörigen des spanischen Hochadels, der sog. Granden, darunter links ein barhäuptiger Mann und rechts Fürst Johann IV. von Anhalt-Zerbst, darunter zwei Bischöfe und zwei Domherren, schließlich eine Gruppe von drei weltlichen Herrschern, nämlich (von oben nach unten) Landgraf Philipp I. von Hessen, Kurfürst Friedrich III. (der Weise) von Sachsen und Kurfürst Joachim I. von Brandenburg.

Eine weitere Anordnung von Figuren links unterhalb des Kaisers zeigt (von oben nach unten): Reichsherold Caspar Sturm, einen höheren Kleriker, den Beichtvater des Kaisers im Mönchshabit, den Erzbischof von Mainz Albrecht von Brandenburg, sowie den päpstlichen Legaten Hieronymus Aleander. Aus der Feder Aleanders stammt der Entwurf zum Wormser Edikt, weshalb er ein Blatt in Händen hält, auf dem Angaben zur Person Luthers geschrieben stehen. Am unteren Bildrand findet sich die Widmungsinschrift in einer gotisierenden Kartusche: "Zum Andenken an David und Margarethe Poppmeyer. Forchheim 1907.", sowie rechts davon ganz klein der Herstellervermerk. - Die Glasmalerei ist bis auf kleinere Fehlstellen sehr gut erhalten.