Die Walcker-Orgel

Walcker-Orgel von 1896Die Orgel der St.-Johanniskirche zu Forchheim wurde im Jahre 1896 zur Einweihung der Kirche von der Orgelbaufirma E. F. Walcker & Cie. in Ludwigsburg erbaut. Sie verfügte damals über 24 klingende Register auf zwei Manualen und Pedal und war mit pneumatischen Kegelladen ausgestattet. Vor dem Einbau in Forchheim war die Orgel im September 1896 schon auf der Landesgewerbeausstellung in Stuttgart zu besichtigen, wofür sie von Walcker noch um die Hochdruckstimmen Stentorflöte 8´ im I. Manual, Stentorgamba 8´ im II. Manual, sowie die z.T. aus letzteren transmittierten Register Stentorflöte 16´ und Stentorgamba 16´ im Pedal erweitert. Dazu traten noch Superoctavcoppel im I. Manual und Suboctavcoppel im II. Manual.

Nach der Einweihung der Kirche am 15. Dezember 1896 wurde die Orgel von kgl. Universitätsmusikdirektor Elias Oechsler aus Erlangen abgenommen und als ein sowohl in klanglicher als auch in technischer Hinsicht überdurchschnittlich vollkommenes Orgelwerk bezeichnet. Die Disposition lautete:

I. Manual II. Manual (Schnellw.) Pedal Nebenzüge
Bourdon 16´ Geigenprincipal 8´ Subbass 16´ Normalkoppeln
Principal 8´ Liebl. Gedeckt 8´ Violon 16´ Collectivtritt p
Viola di Gamba 8´ Concertflöte 8´ Posaune 16´ Collectivtritt mf
Tibia 8´ Salicional 8´ Octavbass 8´ Collectivtritt f
Gedeckt 8´ Aeoline 8´ Violoncello 8´ Collectivtritt Tutti
Dolce 8´ Voix céleste 8´   Auslöser
Trompete 8´ Clarinette 8´    
Octav 4´ Fugara 4´    
Rohrflöte 4´ Traversflöte 4´    
Mixtur 2 2/3´ 4fach      

 

Im Jahre 1907 wurde ein von einer einheimischen Firma konstruierter elektrischer Gebläseantrieb eingebaut. Wie vielerorts mussten 1917 sämtliche Prospektpfeifen an die Heeresverwaltung abgegeben werden. Den Ausbau wie auch den Ersatz durch neue Prospektpfeifen aus Zink führte die Nürnberger Orgelbaufirma Johannes Strebel aus.

In der Zeit der Orgelbewegung wurde 1932 lediglich ein kleiner Umbau vorgenommen, der sich hauptsächlich auf den Spieltisch konzentrierte. Dieser wurde komplett erneuert und verfügte dann über folgende Spielhilfen: Normalkoppeln, Unteroktavkoppel II, Oberoktavkoppel II, „Zungen ab“, Registerschweller als Walze, sowie Druckknopf „Walze ab“, Generaltutti als Tritt, sowie eine freie Kombination. Im klanglichen Bereich wurde nur eine Pedaltransmission von Bourdon 16´ eingerichtet. Mit diesen Arbeiten betraute man die Orgelbaufirma G. F. Steinmeyer in Oettingen. 1939 installierte dieselbe Firma einen neuen Gleichstrommotor mit Gebläse für die Orgel, wobei dieser 1947 gegen einen Wechselstrommotor ausgetauscht werden musste.

Umgebaute Orgel von 1962Im Zuge der Modernisierung der gesamten Kirche wurde die Orgel im Jahre 1962 nach langwierigen Überlegungen zwischen Kirchengemeinde, dem Organisten und zwei Sachverständigen schließlich durch die Firma Otto Hoffmann (Ostheim v. d. Rhön) umgebaut und erweitert. Dabei wurde die Traktur elektrifiziert, die Windanlage völlig neu hergestellt, sowie ein zusätzliches Positiv auf elektropneumatischen Kegelladen eingebaut. Pedal und Schwellwerk erhielten pneumatische Zusatzladen. Der Tonumfang in den Manualen und im Pedal wurde bis g3 bzw. f1 erweitert und ein neuer Spieltisch installiert. Die Disposition stammt vom Sachverstädigen KMD Gustav Schoedel aus München:

I. Manual (Positiv, komplett neu) III. Manual (Schwellwerk)
1. Koppelgedackt 8´ 16. Geig. Prinzipal 8´ (Geigenprinc. 8´)
2. Blockflöte 4´ 17. Sing. Gedackt 8´ (Liebl. Gedeckt 8´)
3. Waldflöte 2´ 18. Salizional 8´
4. Superquinte 1 1/3´ 19. Prästant 4´ (aus Gamba 8´)
5. Scharf 4fach 1´ 20. Querflöte 4´ (Traversflöte 4´)
6. Krummhorn 8´ 21. Nasard 2 2/3´ (aus Fugara 4´)
  22. Ital. Prinzipal 2´ (neu)
II. Manual (Hauptwerk) 23. Terzflöte 1 3/5´ (aus Voix céleste 8´)
7. Pommer 16´ (Bourdon 16´) 24. Nachthorn 1´ (neu)
8. Prinzipal 8´ (Prospekt neu) 25. Cymbel 4fach ½´ (neu)
9. Dulzflöte 8´ (Dolce 8´) 26. Rohrschalmey 8´ (neu)
10. Gedackt 8´  
11. Oktav 4´ (Prospekt neu) Pedal
12. Rohrflöte 4´ 27. Prinzipalbaß 16´ (neu)
13. Superoktav 2´ (neu) 28. Subbaß 16
14. Mixtur 5fach 1 1/3´ (neu)       Pommer 16´ (Transmission)
15. Trompete 8´ (neu) 29. Oktavbaß 8´
  30. Flötbaß 8´ (Concertflöte 8´)
Nebenzüge 31. Choralbaß 4´ (aus Violoncello 8´)
Normalkoppeln 32. Rauschbaß 4f. 2 2/3´ (aus Mixtur 4f.)
Zwei freie Kombinationen 33. Rohrpfeife 2´ (neu)
Zwei freie Pedalkombinationen 34. Posaune 16´
Crescendo als Walze       Trompete 8´ (Transmission)
„Walze ab“ 35. Clarine 4´
„Handregister ab“  
„Zungen ab"  

Das Ergebnis des Umbaus wurde schon von Schoedel als ambivalent bezeichnet: Einerseits seien die neuen Stimmen durchweg als gelungen zu bezeichnen, andererseits das Problem eines jeden Umbaus, dass die übernommenen Stimmen sich nicht ausreichend in das neue Klangbild fügen, auch hier nicht restlos gelöst.

Nach einer weiteren Renovierung des Kircheninnenraums wurde die Orgel ebenfalls durch die Firma Otto Hoffmann im Jahre 1981 ausgereinigt und überholt. Da die Orgel jedoch weiterhin störanfällig blieb und sich die technischen Mängel neben den ohnehin bestehenden klanglichen Defiziten in den neunziger Jahren häuften, wurde ein Orgelneubau in Betracht gezogen. Nach vielen klärenden Beratungen, die dazu führten, dass man sich über den Wert der noch vorhandenen Substanz der einstigen Walcker-Orgel bewusst wurde, sah man jedoch von einer zunächst ins Auge gefassten Ersetzung der Orgel durch einen Neubau ab und ließ nach einer Phase der Finanzierung in den Jahren 2001/02 durch die Orgelwerkstatt Christian Scheffler (Sieversdorf) eine klangliche und technische Rekonstruktion durchführen. Dabei wurden ergänzend zum ursprünglichen Konzept zwei Oktavkoppeln (Super II-I, Sub II), eine Pedaltransmission (Bourdon 16´), sowie ein Vorabzug (Rauschpfeife 2f. 2 2/3´) eingebaut. Gehäuse und Spieltisch wurden in weitgehender Anlehnung an das Original neu erstellt. Für den Spieltisch und die Windanlage (Doppelfaltenbalg) konnten Teile der aufgegebenen Walcker-Orgel aus Bad Schwalbach Verwendung finden.

Die restaurierte Walcker-OrgelKontakt:
Johannes Freund
Birkenfelder Str. 27
91301 Forchheim