Ein Streifzug durch die St. Johanniskirche
Zur Geschichte der Kirche
1996 wurde das 100 jährige Bestehen gefeiert, 1896 wurde die Johanniskirche eingeweiht, 1961 renoviert und umgestaltet. Sie ist eine verhältnismäßig junge Kirche in der fast 1200 Jahre alten Stadt Forchheim, was der Geschichte der Evangelischen in der überwiegend katholischen Stadt entspricht. 1883 wurde die Johannisgemeinde die erste evangelische Pfarrei in der Stadt. Der Erbauer war Pfarrer August Küffner, dessen Bild an der rechten Wand in der Kirche hängt. Ein großer Einsatz aller Kräfte machte es möglich, dass eine so stattliche Kirche für die noch relativ kleine Gemeinde gebaut werden konnte. Heute ist sie eine große Stadtgemeinde und umfasst mit fünf Außenorten ca. 5600 Gemeindeglieder.
Eine Johanniskirche
Der Namenspatron der Kirche ist der Evangelist Johannes, der „Apostel“ der christlichen Liebe. Er wurde damals gewählt als Ausdruck der sich anbahnenden ersten ökumenischen Kontakte zur katholischen Kirche in Forchheim.
Das Portal
Beim Eintreten in die Kirche fällt die große Figur im Tympanon über der Türe auf: Christus, der seine Arme einladend ausbreitet.
Die bronzenen Gedenktafeln im Vorraum der Kirche
Die Gedenktafel links für die Gefallenen und Vermissten von der Augsburger Künstlerin Eva-Maria Blödner gestaltet, erinnert an die Opfer des 2. Weltkrieges. Sie ist zugleich Mahnmal und trägt deshalb die Taube als Zeichen des Heiligen Geistes, als Zeichen der Auferstehung und des Friedens. Der untere Teil der Tafel kann als zerstörte Stadt mit verirrten Menschen betrachtet werden, es können auch Gräber sein, die sich am jüngsten Tag auftun. Die Gedenktafel rechts „Gegen das Vergessen“ erinnert an Rosa Tiesler. Sie war Jüdin und wurde 1903 in St. Johannis getauft. 1942 wurde sie deportiert und ermordert.
Der innere Kirchenraum
Der erste Blick fällt nach vorn in den Chorraum, nach Osten, denn die Kirche ist geostet.
Wenn Kirchen geostet sind, sind sie orientiert, ausgerichtet auf die Erfahrung des Ostermorgens. Am ersten Tag der Woche, am Ostermorgen, war Maria Magdalena im Dunkeln losgegangen. Sie begegnete im Höhlengrab den Engeln und im anbrechenden Morgenlicht dem Auferstandenen (Johannes 20). Die Besucher werden in diese Orientierung hineingenommen – hin zum anbrechenden Licht, zum Leben.
Die „Säulenheiligen“
Auf dem Weg nach vorn stehen rechts und links an den Säulen Figuren auf Sockeln.
„Säulenheilige“ in einer evangelischen Kirche? „Heilige“ sind für evangelische Christen Vorbilder im Glauben. Die „ Säulenheiligen“ sind Sinnbild für die Säulen, die die Gemeinschaft der Gemeinde tragen. In der Johanniskirche zeugen sie von ökumenischer Weite und erinnern die christliche Gemeinde an ihre Wurzeln.
Zwei stehen sich jeweils gegenüber.
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Moses (um 1200 v. Chr.): |
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David (um 1000 v. Chr.): |
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Paulus (1. Jh. n. Chr.): |
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Johannes (1. Jh. n. Chr.): |
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Luther (1483 bis 1546): |
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Augustinus (Wende vom 4. zum 5. Jh.): |
Die Fenster der Kirche
Die drei Fenster im Chorraum erzählen von der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen. In Jesus ist sie erfahrbar geworden.
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Das linke Fenster erzählt von Weihnachten. Es hebt sich von den anderen ab, es ist das jüngste der drei, aus dem Jahr 1968. Das Ursprüngliche wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Jesus wird in einer Ruine geboren, in einer vom Krieg und Unfrieden gefährdeten Welt.
Ein Zug von Menschen ist auf dem Weg zum neugeborenen Kind. Hoffnung geht von ihm aus. Unten ist die Flucht der Mutter mit dem Kind zu sehen – Erinnerung an Menschen, die auf der Flucht sind, wovor auch immer, und Jesus ist an ihrer Seite.
Der Künstler Walter Veit-Dirscherl war am Epiphaniastag, Freitag 6. Januar 2012 um 17 Uhr im Gottesdienst in der St. Johanniskirche, brachte "sein" Weihnachtsfenster zum Sprechen bringen und erzählte von seiner Geschichte.
Pfarrerin Elisabeth Düfel im Gespräch mit dem Künstler:
Pfarrerin Düfel:
Herr Veit-Dirscherl, was bedeutet Ihnen die Weihnachtsgeschichte und warum gaben Sie ihr diese Gestalt in unserer Kirche?
Walter Veit-Dirscherl:
„Mit der Weihnachtsgeschichte verbinde ich auch das Morden an den Kindern in Bethlehem und die Flucht nach Ägypten, für mich wiederholt im Mord an Kindern durch die Nazis und im Flüchtlingselend am Kriegsende. Darum stellte ich mir vor, dass ich wie ein aus dem Krieg heimgekehrter Soldat einer Hoffnungsbotschaft folge und wie die Hirten das Kind suche, von dem die Engel singen, dass Heil von ihm ausgehen wird. Diese Szenen mit extremen Aussagen habe ich abstrahiert und in Kontrastfarben gestaltet. Ich habe Bilder der Nachkriegszeit zitiert, nicht abgebildet. Ich meine, das Bildprogramm eines Kirchenfensters muss eine zu jeder Zeit und eine alle Menschen berührende Botschaft verkünden.“
Ausführliche Informationen zum Besuch des Künstlers unter: http://www.nordbayern.de/region/forchheim/gans-als-konigsgabe-1.1773600
Im mittleren Fenster ist die Kreuzigung zu sehen.
Sonne und Mond verfinstern sich, wenn Gott an der Seite der Menschen leidet.
Unter dem Kreuz stehen zwei Frauen und Johannes. Sie trauern, eine verhüllt ihr Gesicht vor Schmerz. Gott kommt den Menschen nahe, weil er sich in Jesus in die menschlichen Abgründe hineinbegeben hat.
Es hat den Anschein, als ob Christus mit seinen ausgebreiteten Armen alle Traurigen, Leidenden und Angstvollen umschließen will. Ganz unten ist die „eherne“ Schlange am Balken zu sehen, ein Zeichen der Rettung für die Israeliten in der Wüste (4. Mose 21). Es ist in Verbindung zum Kreuz Jesu zu sehen, das für die Christen Zeichen der Hoffnung und Rettung ist. Der Pelikan ganz oben ist das Symbol für die sich selbst aufopfernde Vater – und Mutterliebe, im Mittelalter häufig ein Symbol für den gekreuzigten Christus.
Das rechte Fenster erzählt die Geschichte von Christi Himmelfahrt und darunter die Begegnung der Jünger mit Jesus nach seiner Auferstehung beim Brotbrechen in Emmaus. Beide Geschichten erzählen von Abschied und bleibender Nähe.
Das Fenster im Dreipass unter den Chorfenstern:
Das Lamm ist Symbol für Jesus.
„Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt“ (Johannes 1,29).
Die Fahne mit dem Kreuz rechts über dem Lamm erinnert an die Auferstehung Jesu. Sie ist ein Zeichen des Sieges über den Tod.
Die Rosette im rechten Seitenschiff:
Sie erzählt aus dem Leben Martin Luthers, als er 1521 auf dem Reichstag zu Worms vor Kaiser Karl V. und den Reichsfürsten widerrufen sollte, was er geschrieben hatte. „ Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir“ soll er gesagt haben. Luther hat nicht widerrufen, er hat offiziellem Druck widerstanden. Seine Überzeugung von der Bibel als alleinigem Glaubensfundament und sein Gewissen hat er nicht geopfert zu Gunsten eines berechnenden und ängstlichen Kalküls.
Die Walcker-Orgel
Auf der Empore, dem Altarraum gegenüber, lenkt die Orgel mit ihrem imposanten Gehäuse den Blick auf sich. Sie wurde gleichzeitig mit dem Kirchenbau 1896 von der Orgelbaufirma Walcker in Ludwigsburg errichtet und im Jahr 2001 grundlegend restauriert. Sie hat 1311 Pfeifen und 24 klingende Register. Ihr weicher und voller Klang gibt heute noch Zeugnis von der Epoche der Spätromantik.
Die Orgel – Königin der Instrumente auch in unserer Kirche – ist eine Königin der besonderen Art:
Sie steht im Hintergrund, um Dienerin zu bleiben für uns, die Fröhlichen und die Traurigen, die Abgehetzen und Müden, die Suchenden und die Glücklichen und die Gott Lobenden. Dienen will sie und unser Leben und unseren Glauben bereichern und das Gotteslob spielen.
GLORIA IN EXCELSIS DEO – so stand es vordem am Gehäuse unserer Orgel: EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE.
Text: Elisabeth Düfel in Zusammenarbeit mit Johannes Freund und Edeltraut Meier.
Bilder: Detlef Bär










