II. Baubeschreibung

Die in den nachempfundenen Formen der Frühgotik erbaute St.-Johannis-Kirche liegt diagonal in einem von der Zweibrücken- und Eisenbahnstraße gebildeten Winkel. In der Planungsphase der Kirche war offenbar zunächst vorgesehen, diese parallel zur Eisenbahnstraße zu platzieren, doch um das Äußere des Gebäudes besser zur Geltung kommen zu lassen, entschieden sich Kirchenverwaltung und Architekt für die jetzige Stellung. Dadurch aber konnte die Kirche nicht geostet werden, der Altar zeigt mit einer kleinen Abweichung in Richtung Süden.

Von Außen unschwer zu erkennen ist der kreuzförmige Grundriss der Kirche. An ein längliches Schiff schließt sich ein kurzer, dreiseitig geschlossener Chor, der kaum eingezogen ist. Zu beiden Seiten des Langhauses angesetzte breite Querhäuser bilden ein 22m langes Querschiff. Das Hauptschiff setzt sich aus einem Mittelschiff und zwei niedrigeren Seitenschiffen zusammen. Das Kirchendach überspannt in gleicher Firsthöhe Haupt-, Querschiff und Chor. Der Hauptturm befindet sich an der dem Chor gegenüberliegenden Schmalseite. Er beherbergt den Hauptzugang zur Kirche und wird links und rechts von zwei niedrigeren Treppentürmen flankiert. Vom Turm bis zum Chor hat die Kirche eine Länge von 37m. An die Schrägseiten des Chorschlusses sind zwei identisch gestaltete Sakristeien mit nahezu quadratischem Grundriss und pyramidaler Dachform angebaut. Zwischen ihnen und den Querhäusern liegen kleine Vorhallen, die auch die Nebeneingänge zur Kirche enthalten.

Das Äußere der Kirche wird bestimmt durch das Zusammenspiel der beiden verwendeten Sandsteinarten, des grünlichen Zeiler Schilfsandsteins und des weißen Forchheimer Rhätsandsteins, sowie des dunkelgrauen Schieferdachs. Für die Fundamente und den Sockel des Baues wurden Steine der Nürnberger-Tor-Bastion verwendet, die sich zur Zeit des Kirchenbaues gerade im Abbruch befand. Alle Einfassungen, Eckquader und sonstige Zierstücke sind aus Räthsandstein gefertigt, dessen Oberfläche jeweils glatt gearbeitet ist. Für das aufgehende Mauerwerk wurde Schilfsandstein verwendet. Die einzelnen Quader sind dabei von jeweils gleicher Höhe. Ihre Oberflächen haben einen scharrierten Randschlag und einen gespitzten Bossenspiegel.

Die Außenfassade der Kirche wird durch abgetreppte Strebepfeiler und die unterschiedlich geformten Fenster in der Vertikalen, in der Horizontalen dagegen durch Gesimse und friesartig umlaufende Quaderlagen aus Rhätsandstein gegliedert. Im unteren Bereich von Lang- und Querschiff finden sich kleinere schulterbogige Zwillingsfenster unter je einem Entlastungsbogen, im oberen Bereich dagegen große Spitzbogenfenster mit einbahnigem Maßwerk. Die beiden Sakristeien haben je eine spitzbogige Zwillings- und eine Drillingsfensteröffnung. In der Chorschlusswand sitzt im unteren Bereich ein kleines Dreipaßfenster, während die drei Chorseiten in ihrem oberen Bereich von drei Fenstern durchbrochen werden, die den oberen Fenstern des Kirchenschiffes gleichen.

Architektonisch hervorgehoben sind die Giebelseiten der beiden imposant wirkenden Querhäuser, deren Dächer bis auf die Traufhöhe der Seitenschiffe herabgezogen sind. Beinahe die gesamte Giebelfläche überzieht ein großer Blendbogen. Darin sitzen unten genauso wie beim Längschiff Zwillingsfenster, über einem Gesims dagegen ein großes Maßwerkrosettenfenster. Darüber befinden sich in einem Blendmaßwerk drei kleine schartenartige Fenster, sowie ein Vierpaßrelief im oberen Zwickel. Der gesamte Giebel wird von einer Kreuzblume nach oben hin abgeschlossen.

Das Dach von Langschiff und Chor trägt kleine Gauben mit Spitzdächern. Auf den Dachfirsten von Lang- und Querschiff sitzen in regelmäßigen Abständen schmiedeeiserne Verzierungen. Der Chor und auch beide Sakristeien werden je von einer eisernen Bekrönung geschmückt, die bei der Außenrenovierung Anfang der siebziger Jahre stark vereinfacht worden sind. Neben einem ästhetischen Zweck haben alle diese Verzierungen auch den praktischen Nutzen des Blitzschutzes.

Besondere Gestaltung weist auch die Portalseite durch die Anlage der drei Türme auf. Der an drei Seiten freistehende Hauptturm hat einen quadratischen Grundriss, der auf Höhe der Glockenstube in ein ungleichseitiges Achteck übergeht. Die Mauerflächen werden vielfach gegliedert durch sich nach oben hin verjüngende Eckpfeiler, verschiedenartige Gesimse, sowie unterschiedliche Formen und Anordnungen von Fenstern. Neben dem Hauptportal fällt vor allem das große darüberliegende Fenster mit profiliertem Gewände und dreibahnigem Maßwerk auf. Vor den Schallöffnungen der Glockenstube sind auf drei Seiten Balkone angebracht, die für Bläserdarbietungen gedacht sind. Das Mauerwerk des Turmes läuft in dessen Dachgeschoss in vier größere und vier kleinere Giebel aus, an deren Ecken je eine Blendsäule mit einem darüber befindlichen Wasserspeier sitzt. Auf jedem der vier größeren Giebel befand sich ehedem je eine Kreuzblume, die aufgrund ihrer Schadhaftigkeit bei der Turmrenovierung zu Beginn der siebziger Jahre abgetragen worden sind. In den vier größeren Giebelwänden sitzen die Ziffernblätter der Turmuhr. Über diesem obersten Turmgeschoss erhebt sich ein hoher Spitzhelm, dessen Turmbekrönung mit Kreuz und Wetterhahn im Jahr 1970 unter Verwendung alter Teile neu gefertigt wurde. Die ursprüngliche Bekrönung, die viel höher und reicher ausgestaltet war, wurde im Jahr 1944 durch Unwetter schwer beschädigt und ein Jahr darauf in vereinfachter Form wiederhergestellt. Der Turm erreicht eine Höhe von ca. 50m.

Die beiden Treppentürme haben analog zum Hauptturm einen quadratischen Grundriss. Dieser wird hier jedoch bereits knapp über dem Erdgeschoss in ein regelmäßiges Achteck überführt. Im oberen Bereich befinden sich lanzettartige Fenster, darüber je ein kleines Blendmaßwerk in Dreipaßform. Das oberste Geschoss wird wie beim Hauptturm durch Blendsäulen an einer jeden Ecke geschmückt. Die eingeknickten Spitzhelme beider Treppentürme münden jeweils in eine hohe eiserne Turmbekrönung, die sich beide als einzige in ihrer ursprünglichen Form erhalten haben.

Auch das Hauptportal weist im Rahmen der Außenfassaden eine besonders reiche Gestaltung auf. Über je zwei Säulen mit Blätterkapitellen zu beiden Seiten erhebt sich ein reich profiliertes Gewände zu einem Spitzbogen, über dem ein durch einen Dreipaß durchbrochener Giebel (Wimperg) in eine Kreuzblume mündet. Hier am Hauptportal findet sich auch der einzige bildliche Schmuck am Äußeren der Kirche: Eine Reliefdarstellung des in die Kirche ladenden Christus. Biblischer Hintergrund der Darstellung ist das Wort aus Matthäus 11,28: "Kommet her zu mir alle, die ihr mühlselig und beladen seid, ich will euch erquicken". Der Münchener Bildhauer Georg Schwessinger (um 1874-1914) schuf die Darstellung im Jahr 1907 nach eigenem Entwurf. Ein Zuschuss aus dem bayerischen Kunstfonds ermöglichte deren Anschaffung.

Die beiden Nebeneingänge zur Kirche sind schlicht gehalten: Die hochrechteckigen Türöffnungen mit geradem Sturz haben ein einfaches Gewände mit Rundstabprofil. Darüber befindet sich in gleicher Breite und Machart je eine spitzbogige Fensteröffnung. Die aufwendig gestalteten schmiedeeisernen Geländer fallen auf. Bei der letzten Außenrenovierung erhielten sie, wie auch alle Fenstereisen der Kirche, einen silberfarbenen Überzug, der in genauem Gegensatz zur originalen Fassung in Dunkelgrau bzw. Schwarz steht.

Umsetzung: Christiane Jauck, Text: Johannes Freund

(Aktualisiert 27.1.17)

Quellen und Literatur

In der folgenden Auflistung sind alle verwendeten Quellen in gedruckter Form, sowie weiterführende Literatur enthalten, die für die Erstellung des Kirchenführers relevant waren. Die einzige Ausnahme bilden die Akten des Pfarrarchivs und der Pfarregistratur St. Johannis in Forchheim, die die Hauptquelle für die textlichen Ausführungen war. Sie werden in der folgenden Liste nicht aufgeführt.

Bahns, Jörn: Johannes Otzen 1839-1911. Beiträge zur Baukunst des 19. Jahrhunderts, München 1971.

Dengler-Schreiber, Karin: Gustav Haeberle Architekt (1853-1930), in: BHVB 136 (2000), 195-243.

Dolling, Jürgen; Greif, Thomas; u.a. (Hrsg.): 100 Jahre St. Johannis Forchheim. Geschichte und Gegenwart einer Evang.-Luth. Kirchengemeinde, Forchheim 1996.

Finckh, Susanne; Reese, Gunther: Georg Bickel 1862 bis 1924. Der Malerpfarrer von Mönchsroth, Mönchsroth 1994.

Genz, Peter: Das Wiesbadener Programm. Johannes Otzen und die Geschichte eines Kirchenbautyps zwischen 1891 und 1930, Kiel 2011.

Poscharsky, Peter: Die Kirchen der Fränkischen Schweiz, Erlangen 1990.

Pietrus, Ellen: Die Kirchenneubauten von Heinrich Dolmetsch: ein Architekt im Königreich Württemberg, in: Reutlinger Geschichtsblätter 40 (2001).

Dies.: Kirchenausstattungen von Heinrich Dolmetsch. Vom Umgang mit Raumfassungen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, in: Denkmalpflege in Baden-Württemberg 34 (2005), S. 88-99.

Dies.: Heinrich Dolmetsch. Die Kirchenrestaurierungen des württembergischen Baumeisters, Stuttgart 2008.

Ruß, Norbert: Die Glasmalerei des Historismus in Bamberg, Bamberg 2011.

Schnurrenberger, Andreas: Johann Leonhard Vogt. Ein Memminger Kunstschreiner des Historismus, in: Memminger Geschichtsblätter 59 (2012/13), 121-155.

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Sitzmann, Karl: Forchheims Kirchen. Ein Spiegel Bamberger Kunst, Forchheim 1922.

Staude, Bernhard: St.-Johannis-Kirche Forchheim. Festschrift zum 80jährigen Jubiläum, Erlangen 1976.